Zahl der Radfahrer mit Helm steigt – langsam

Knapp jeder fünfte Radfahrer war 2017 mit Helm unterwegs. Das bedeutet einen Fortschritt, ist angesichts der Gefahren jedoch noch immer viel zu wenig.


Eine Steigerung von 17 auf 19 Prozent in einem Jahr sieht eigentlich ganz ordentlich aus. Und erst recht ein Zuwachs von 9 auf 19 Prozent. Um so viel stieg nämlich die Quote der helmtragenden Radfahrer zwischen 2010 und 2017. Und dennoch ist das Niveau, auf dem sich diese positive Entwicklung vollzieht, trotz aller Aufklärungskampagnen noch immer kläglich. Denn es spricht viel dafür, dass jeder Radfahrer und jede Radfahrerin immer mit Helm unterwegs sein sollte.

„Auch erfahrene und jahrzehntelang unfallfreie Radfahrer müssen jederzeit mit einem Sturz rechnen – ob selbst- oder fremdverschuldet, spielt für die Gesundheit am Ende keine Rolle. Wenn der Kopf beim Aufprall geschützt ist, kann das lebensrettend sein. Daher sollte ein Helm nie fehlen“, mahnt der Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Michael Jung, der in seiner Praxis in Berlin-Kreuzberg auch immer wieder Fahrradunfalloper behandelt.

Schädel-Hirn-Trauma droht
Bei den meisten lebensbedrohlichen Kopfverletzungen von Radfahrern kommt es zu einem Schädel-Hirn-Trauma. Dessen leichte Ausprägung wird landläufig als Gehirnerschütterung bezeichnet. Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma bedeutet eine Quetschung des Gehirns, in deren Folge es zu Bewusstlosigkeit, Koma oder gar dem Tod des Patienten kommen kann. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Verletzung lässt sich mit einem Fahrradhelm deutlich senken.

Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, starben auf deutschen Straßen im Jahr 2016 insgesamt 393 Radfahrer bei Unfällen. Für drei Viertel der schweren Verletzungen bei den 81.272 registrierten Fahrradunfällen sorgten Kollisionen mit Autos. Und bei diesen Auto-Rad-Unfällen trugen nur in jedem vierten Fall die Radfahrer die Hauptschuld. Auch die Pkw- und Lkw-Fahrer sind daher zu mehr Aufmerksamkeit aufgerufen, insbesondere beim Rechtsabbiegen.

Neben dem Schutzhelm können Radfahrer auch noch mehr für ihre Sicherheit und Sichtbarkeit tun. In Neonfarben leuchtende Jacken oder Westen leisten gute Dienste. Vorder- und Rücklicht auch am Tag erhöhen die Sichtbarkeit zusätzlich. Und vor allem: nie blind darauf verlassen, dass man gesehen und vorgelassen wird.