Krankenhausbehandlungen wegen Rückenschmerzen nehmen zu

Allen Präventionsprogrammen zum Trotz: Zwischen 2007 und 2016 ist die Zahl der stationären Rückenschmerz-Behandlungen in Kliniken um 80 Prozent gestiegen.


Es sind besorgniserregende Zahlen, die der „DAK-Gesundheitsreport 2018“ kürzlich offenbarte: 220.000 Mal wurden Patienten im Jahr 2016 wegen Rückenschmerzen in einer Klinik behandelt, das sind 80 Prozent mehr Fälle als 2007. Knapp die Hälfte der Patienten wurden als Notfälle aufgenommen, bei den anderen handelte es sich um geplante stationäre Aufenthalte. Von 5.200 befragten Berufstätigen gaben drei Viertel an, im vergangenen Jahr mindestens einmal unter Rückenschmerzen gelitten zu haben. Diese Quote lag bei einer Vorgängerumfrage 2003 noch bei 55 Prozent.

Auch die Unternehmen sind indirekt davon betroffen: Die Studienautoren haben errechnet, dass Rückenschmerzen für rund 35 Millionen Ausfalltage jährlich verantwortlich sind. Damit stellt das Leiden auch einen relevanten volkswirtschaftlichen Faktor dar.

„Das gesundheitspolitische Ziel, das Problem Rücken in den Griff zu bekommen, wurde nach den Ergebnissen unserer Studie nicht erreicht“, kommentiert der Vorstandschef der DAK-Gesundheit Andreas Storm die Ergebnisse. „Die Untersuchung sollte zum Anlass genommen werden, die Angebote in den Bereichen Prävention und Versorgung auf den Prüfstand zu stellen.“

Bewegung ist das A und O
Die Risikofaktoren für Rückenschmerzen sind weithin bekannt, lassen sich aber nicht allesamt kontrollieren. Das gilt insbesondere für Stress und psychische Belastungen, die sich auch im Rücken niederschlagen können. Eine grundlegende Therapie sollte deshalb an den Ursachen ansetzen und nicht nur das Symptom Rückenschmerz in den Blick nehmen.

Der häufigste Grund für Rückenschmerzen ist aber ein anderer: mangelnde Bewegung. „Eine bewegungsarme Lebensweise befördert Rückenschmerzen, vor allem wenn sie mit einseitigen Belastungen und Haltungsmustern einhergeht“, erläutert der Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Michael Jung aus Berlin-Kreuzberg. „Eng damit verknüpft ist der Risikofaktor Übergewicht. Zur Prävention sollte man also auf viel Bewegung achten, wobei es nicht gezielte Rückengymnastik sein muss. Auch Schwimmen oder Radfahren stärken die Rückenmuskulatur, ebenso Tanzen. Hauptsache, der Bewegungsablauf bringt keine einseitigen Belastungen mit sich.“

Auch das viele Sitzen schlägt dem modernen Menschen auf den Rücken. Nach Möglichkeit sollte man bei einer sitzenden (Büro-)Tätigkeit daher auf Abwechslung achten, also öfters die Position wechseln und auch mal im Stehen arbeiten. Verschwinden die Rückenschmerzen auch bei einer bewegungsreichen Lebensweise nicht, sollte ein Orthopäde konsultiert werden – denn sie können auch Symptom einer schwerwiegenden Erkrankung sein.