Gezüchteter Knorpel bleibt vorerst eine Nischenanwendung

Ersatzknorpel aus patienteneigenen Zellen heranzuzüchten und dann zu transplantieren erscheint bei Rheumapatienten als verlockende Alternative zum Einsatz eines künstlichen Gelenks. Doch die Therapie hat noch enge Grenzen.


Über 400.000 künstliche Gelenke werden in Deutschland Jahr für Jahr eingesetzt, ein großer Teil davon infolge rheumatischer Degenerationsprozesse. Das Verfahren ist etabliert und sicher, dennoch bedeutet der erforderliche chirurgische Eingriff prinzipiell immer Strapazen und bringt gewisse Risiken mit sich. Schon lange sind die Forscher daher auf der Suche nach einer Methode, die schonender für die Patienten ist.

Seit einigen Jahren wird dabei große Hoffnung in Knorpelersatz gesetzt, der aus patienteneigenen Knorpelzellen herangezüchtet wird. Das Ziel: einen gleichwertigen Ersatz für den verschlissenen Knorpel zu finden und damit das Gelenk dauerhaft funktionsfähig zu halten. Grundsätzlich klappt das Verfahren auch bereits. Doch die geringe Zahl der damit durchgeführten Behandlungen – rund 1.700 pro Jahr – zeigt, dass es für den Masseneinsatz noch nicht ausgereift ist.

„Knackpunkt ist die Verbindung mit dem umgebenden Gewebe. Hier gilt: Je härter und damit belastbarer der gezüchtete Knorpel, desto schlechter lässt er sich in seiner Umgebung verankern“, erklärt der Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Michael Jung, der in Berlin-Kreuzberg praktiziert. Damit gibt es also gewissermaßen einen Zielkonflikt. Der bisher verfügbare Knorpelersatz eignet sich nur für eng umgrenzte Anwendungsbereiche: kleine „Lücken“, umgeben von gesundem Knorpelgewebe. Ist der vorhandene Knorpel aufgrund einer degenerativen Erkrankung wie Rheuma verschlissen, sieht die Situation aber in der Regel anders aus.

Auch wenn der Forschung bei der Züchtung immer größerer Knorpel kontinuierlich Fortschritte gelingen, werden Rheumapatienten sich mithin noch gedulden müssen, bis auch sie auf breiter Front ihren eigenen Gelenkknorpel regenerieren lassen können. Wenn das gelingt, ist es ohnehin nur die halbe Miete: Flankierend müssen auch entzündliche und ähnliche degenerative Prozesse aufgehalten und gegebenenfalls Korrekturen an Bändern, Meniskus oder der Beinachse vorgenommen werden. Andernfalls würde der gezüchtete Knorpel seine Funktion nicht lange zuverlässig erfüllen können.