Antibiotika können gegen chronische Rückenschmerzen helfen

Gut jeder zweite von Schmerzen im unteren Rücken Betroffene leidet unter Keimen im Knochenmark. Schon bald könnten diese Patienten von einer Antibiotika-Therapie profitieren.


Auf die dänische Forscherin Dr. Hanne Albert – die im März mit dem „Deutschen Schmerzpreis“ für ihre Arbeit ausgezeichnet wurde – gehen aufsehenerregende Erkenntnisse zum Problem chronischer Schmerzen im unteren Rücken zurück. Zuerst hatte sie mit ihrem Team festgestellt, dass das Gewebe von Bandscheibenvorfall-Patienten in mehr als 50 Prozent der Fälle Keime aufweist. Oftmals handelt es sich dabei um Bakterien aus der Mundflora, die beispielsweise bei der Mundhygiene über kleine Hautrisse ins Blut gelangen. Während des Bandscheibenvorfalls dringen sie ins Bandscheiben-Innere vor, wo sie sich dauerhaft festsetzen. Mögliche Folgen: Schmerzen, Knochenödeme, Entzündungen.

Aufbauend auf diesem Wissen testeten die Forscher eine Antibiotika-Therapie gegen Rückenschmerzen – mit großem Erfolg. Die Patienten klagten deutlich weniger über Schmerzen und genossen eine erhöhte Bewegungsfreiheit. Nachfolgestudien mit dem Antibiotikum Amoxicillin haben diese Ergebnisse bereits verifizieren können.

Das Ende der Rückenschmerzen?

Damit eröffnet sich ein vielversprechender neuer Weg für die Schmerzbekämpfung im unteren Rückenbereich. Das Ende aller Rückenschmerzen ist zwar noch nicht eingeläutet, doch Millionen von Patienten könnten von dem Therapieansatz profitieren.

„Die Antibiotika-Therapie greift bei den Schmerzpatienten, die denen sogenannte Modic Changes vorliegen. Das sind Ödeme im Knochenmark, die sich im MRT erkennen lassen. Laut neueren Forschungen können diese Modic Changes für einen Großteil der chronischen Rückenschmerzen verantwortlich sein“, erläutert der Berlin-Kreuzberger Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Michael Jung, zu dessen Behandlungsschwerpunkten Rückenschmerzen zählen und der die dänischen Forschungen mit regem Interesse verfolgt.

Auch wenn jede Antibiotika-Einnahme wohlüberlegt und mit Vorsicht erfolgen sollte, da sich immer mehr Resistenzen ausbreiten: Dieser Einsatzzweck sollte eine entsprechende Therapie mehr als rechtfertigen.