Das Knieverletzungs-Risiko lässt sich halbieren

Übungen für die vorderen Kreuzbänder, richtige Bewegungstechnik, Vermeidung von Innendrehungen: Mit einigen einfachen Maßnahmen bleiben die Knie länger gesund und belastbar.


Knieverletzungen sind nicht nur schmerzhaft. Insbesondere wenn das vordere Kreuzband lädiert oder gar gerissen ist, bedeutet das für die meisten Menschen eine Sport-Zwangspause von mehreren Monaten. Eine Umfrage hat gezeigt, dass ein Drittel der Betroffenen auch 41 Monate nach der Verletzung das Knie noch nicht wieder voll belasten kann.

Es gibt jedoch viele Sportarten, die „aufs Knie gehen“: Skifahren, Hand-, Fuß-, Basketball, Judo oder auch Feldhockey. In ihnen kommen abrupte Richtungswechsel vor, Stopps, Sprünge, Drehbewegungen. Wenn sich das Knie nach innen dreht, der Körper-Schwerpunkt dahinter liegt und ein Bein stärker belastet wird als das andere (sogenannte X-Bein-Stellung), dann ist das Risiko von Kreuzbandverletzungen besonders hoch. Frauen sind übrigens deutlich häufiger davon betroffen als Männer.

Wie Studien belegt haben, lässt sich das Risiko von Knieverletzungen jedoch durch Prävention wirksam reduzieren, und zwar um die Hälfte – ohne Einwirkung eines Mitspielers sogar um zwei Drittel. „Die Zeit dafür ist angesichts der häufig langwierigen Konsequenzen einer Kreuzbandverletzung gut investiert. Hinzu kommt, dass eine solche auch das Risiko einer späteren Kniearthrose erhöht“, betont der in Berlin-Kreuzberg praktizierende Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Michael Jung.

Trainingsprogramme von Deutscher Kniegesellschaft und FIFA

Die Verletzungsprophylaxe besteht vor allem aus speziellen Übungen, mit der die Knie-stützende Muskulatur gestärkt wird. Die Deutsche Kniegesellschaft hat ein Trainingsprogramm mit Balance-, Kraft-, Lauf- und Sprungübungen entwickelt. „Diese Übungen sollten zwei- bis dreimal pro Woche in ein 20- bis 30-minütiges Aufwärmtraining eingebaut werden“, rät Dr. Gerd Rauch vom Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU). Auch von der FIFA gibt es mit FIFA 11+ ein Aufwärm- und Prophylaxeprogramm.

Daneben gilt es, die Bewegungstechnik so zu verfeinern, dass unglückliche Kniebewegungen unwahrscheinlicher werden. Vor allem eine Innendrehung des Knies sollte vermieden werden.

„Auch wenn wir viele Knieverletzungen erfolgreich behandeln können, ist Vorbeugen immer die beste Variante“, so Rauch. „Vor allem im Breitensport findet Prävention immer noch zu wenig Aufmerksamkeit.“