Diagnostik 4.0: Die intelligente Socke kommt

Fehlbelastungen beim Laufen zu erkennen, ist bisher umständlich und kaum über längere Zeit möglich. Eine smarte, sprich mit Sensoren und App ausgestattete Socke aus Chemnitz soll das nun ändern.


Die Socke fristet im Kleiderschrank eher eine Randexistenz, mit ihrem begrenzten modischen Potenzial und ihrer nervenzehrenden Angewohnheit, selten mit dem passenden Gegenstück in einer Wäscheladung gesehen zu werden.

Doch eine Entwicklung der Technischen Universität Chemnitz hebt das unglamouröse Kleidungsstück nun ins Rampenlicht: Die Sportgerätetechnik-Forscher haben eine Socke mit verschiedenartigen Sensoren versehen und eine App dazu programmiert, mit der sich die Messresultate in Echtzeit auf dem Smartphone oder Tablet anzeigen lassen.

Konkret werden die Druckverteilung am Fuß und die Beschleunigung ebenso erhoben wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Mit den dabei gewonnenen Daten können Fehlbelastungen schnell und zuverlässig erkannt werden. Werden bestimmte Schwellenwerte für Überanstrengung eingetragen, gibt die App bei deren Überschreiten automatisch einen Alarm aus.

„Für chronische Fußschmerzen ist oft eine einseitige Gewichtsbelastung verantwortlich. Diese zu diagnostizieren stellt jedoch in vielen Fällen eine Herausforderung dar, da unterschiedliche berufliche und Alltagssituationen auch zu unterschiedlichen Belastungsprofilen führen können“, erklärt der Orthopäde und Sportmediziner Dr. Michael Jung vom Orthozentrum Berlin, „mit den ‚smarten‘ Socken wird diese Diagnose deutlich vereinfacht und zudem über einen längeren Zeitraum möglich.“ Somit können die Messwerte als Grundlage für präventive Maßnahmen dienen.

Die Chemnitzer Forscher haben neben orthopädischen Schmerzpatienten auch die Zielgruppe der Leistungs- und Freizeitsportler im Auge. Bei denen kann sich eine Fehlbelastung nicht nur leistungsmindernd auswirken, sondern langfristig auch zu erheblichen Schädigungen des Stütz- und Bewegungsapparats führen. Zudem sehen die Entwickler in der Diabetologie und der Rehabilitation mögliche Einsatzfelder.