Neues Behandlungsprogramm für chronischen Rückenschmerz

Der Gemeinsame Bundesausschuss der Krankenkassen hat den Weg für die Einführung eines Disease-Management-Programms (DMP) für Rückenschmerz frei gemacht.


Rückenschmerzen sind ein Volksleiden, das rund drei Viertel der Berufstätigen in Deutschland betrifft. Insbesondere chronische Rückenschmerzen können die Bewegungsfreiheit und die Lebensqualität merklich einschränken. Gesetzlich versicherte Patienten sollen zukünftig auf eine effektivere Behandlung hoffen dürfen: Mitte April 2019 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der maßgeblich den Leistungskatalog der Krankenkassen festlegt, inhaltliche Anforderungen für ein strukturiertes Behandlungsprogramm (Disease-Management-Programm, DMP) offiziell verabschiedet. Sofern das Bundesgesundheitsministerium dem Beschluss zustimmt, können die gesetzlichen Krankenversicherungen bald mit Ärzten und Kliniken Verträge über das Rückenschmerz-DMP abschließen.

So mancher Patient mag sich angesichts dieser Nachricht fragen, warum es ein solches Programm nicht schon längst gibt. „Eine einheitliche Behandlungsleitlinie für chronischen Rückenschmerz muss der Herausforderung begegnen, dass die Ursachen und Ausprägungen von Rückenschmerz sehr vielfältig sein können“, erläutert der Orthopäde und Rückenschmerz-Experte Dr. Michael Jung, der in Berlin-Kreuzberg praktiziert. „Dementsprechend sind oftmals verschiedene Fachdisziplinen einzubeziehen.“

„Chronisch“ ab zwölf Wochen Schmerzdauer
Am DMP teilnehmen können laut G-BA-Beschluss Menschen mit chronischen, sprich länger als zwölf Wochen bestehenden, Rückenschmerzen im Kreuzbereich. Diese müssen zu signifikanten Aktivitätseinschränkungen führen und fortdauernden Behandlungsbedarf begründen. Ist eine auslösende Erkrankung bekannt – etwa ein Tumor, rheumatische Leiden oder Wirbelkörperbrüche –, ergibt eine Teilnahme am DMP keinen Sinn, da dann bereits ein spezifischer Behandlungsansatz vorliegt.

Viel Raum wird im DMP-Beschluss der gesicherten Diagnose gewidmet, da von ihr das weitere Vorgehen abhängt. Zudem wird die Bedeutung körperlicher Aktivität für die Schmerzprävention betont. Medikamentöse Empfehlungen als Therapieunterstützung oder – falls die Schmerzursache nicht behoben werden kann – zur dauerhaften Schmerzunterdrückung werden ebenfalls gegeben.

„Wir haben hohe Erwartungen an das neue Programm, wir gehen davon aus, dass es die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten mit chronischem Rückenschmerz verbessern wird“, gibt sich Prof. Dr. Elisabeth Pott, die beim G-BA den Unterausschuss DMP leitet, optimistisch. Als wissenschaftliche Basis diente die vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) herausgegebene „Systematische Leitlinienrecherche und -bewertung sowie Extraktion relevanter Empfehlungen für ein DMP chronischer Rückenschmerz“.