Neues Osteoporose-Behandlungsprogramm beschlossen

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat kürzlich ein sogenanntes Disease-Management-Programm (DMP) für Patienten mit medikamentös behandlungsbedürftiger Osteoporose verabschiedet.


Seit 2002 gibt es, nach US-Vorbild, auch in Deutschland sogenannte strukturierte Behandlungsprogramme (Disease-Management-Programme, DMP). Sie sollen auf der Basis evidenzbasierter Medizin Maßnahmen und Informationen zusammenfassen, mittels deren die Patienten selbst zur Linderung und Besserung beitragen können. Demgemäß ist die Aufklärung über einen „heilsamen“ Lebensstil – insbesondere in puncto Ernährung und Bewegung – ein Kernanliegen von DMP.

So auch im jüngst vom Gemeinsamen Bundessausschuss (G-BA), der den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland festlegt, beschlossenen neuen strukturierten Behandlungsprogramm für Patienten mit medikamentös behandlungsbedürftiger Osteoporose. Es basiert auf Bewertungen des Instituts für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen (IQWiG) und steht Frauen ab 50 und Männern ab 60 Jahren offen. Das DMP soll dabei helfen, Knochenbrüchen vorzubeugen, Schmerzen zu lindern und die Erkrankung am Fortschreiten zu hindern.

Welche konkreten Behandlungsmaßnahmen jeweils erforderlich und angeraten sind, hängt vom individuellen Gesundheitszustand ab. Primär spielen hier das Stadium der Osteoporose, das Patientenalter und eventuelle Begleiterkrankungen eine Rolle. Das DMP umfasst Empfehlungen für eine medikamentöse Therapie – gegliedert nach Männern und postmenopausalen Frauen – ebenso wie Schulungen über einen günstigen Lebensstil, Funktionstraining und Reha-Sport.

80 Prozent der Betroffenen sind Frauen

Laut der Weltgesundheitsorganisation gehört die Osteoporose, in Deutschland auch Knochenschwund genannt, mit über 200 Millionen Betroffenen zu den zehn häufigsten Erkrankungen weltweit. In Deutschland sind gemäß Robert Koch-Institut rund 15 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer über 50 Jahren an Osteoporose erkrankt. Damit sind vier von fünf Betroffenen Frauen. Häufig bleibt das Leiden allerdings auch unentdeckt; Schätzungen zufolge wird nur etwa jede vierte Osteoporose frühzeitig ärztlich festgestellt und angemessen behandelt.

Bei einer Osteoporose geraten Abbau und Aufbau von Knochenmasse – ein ganz natürlicher, lebenslanger Prozess – aus der Balance, es wird also zu viel abgebaut oder zu wenig aufgebaut. Aufgrund abnehmender Dichte wird der Knochen poröser und verliert an Stabilität. „Hauptrisikofaktoren für eine Osteoporose sind Östrogenmangel, genetische Vorbelastung, bestimmte Vorerkrankungen wie Magersucht, Schilddrüsenüberfunktion oder chronische Darmleiden, manche Medikamente wie Magensäureblocker und Kortison und last, not least ein gesundheitsschädlicher Lebensstil“, führt der in Berlin-Kreuzberg praktizierende Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Michael Jung aus. Wer seinem Osteoporoserisiko vorbeugen will, sollte sich um viel Bewegung und eine gesunde Ernährung bemühen sowie aufs Rauchen und auf nennenswerten Alkoholkonsum verzichten.