Öfter mal barfuß laufen!

Fußdeformationen wie Knick-, Senk- oder Spreizfüße sind heute ein Massenphänomen. Ein Grund dafür: Der moderne Mensch läuft zu wenig barfuß.


Vergegenwärtigt man sich einmal, wofür unser Laufapparat von der Evolution ausgeformt wurde, dann wird verständlich, warum die heutige Kultur der Fußbekleidung nicht nur segensreich wirkt: Bis in menschheitsgeschichtlich jüngere Zeit liefen unsere Vorfahren barfuß durch Wälder und Wiesen. Die Füße ständig und allezeit in zumeist geschlossenes Schuhwerk zu zwängen, ist eine relativ neue Mode. Natürlich hat sie auch ihre Berechtigung, niemand würde auf den Komfort verzichten wollen. Doch in Hinsicht auf unseren Bewegungsapparat kann sie zu Fehlbildungen führen, die sich nicht auf die Füße beschränken. Rückenbeschwerden können etwa die Folge sein, wenn die Gelenkbelastung beim Gehen nicht optimal ist.

Experten raten daher, die Schuhe öfters mal im Schrank zu lassen und barfuß zu laufen. „Es erfordert für viele Ungeübte eine gewisse Eingewöhnung und sollte langsam angegangen werden, doch am Ende erschließen sich ganz neue sinnliche Erfahrungen durch das Barfußlaufen – und einen medizinischen Nutzen hat es auch“, erläutert der Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Michael Jung vom Orthozentrum Berlin. Insbesondere der Vorfußgang werde dadurch gefördert, der die Achillessehne und die Wirbelsäule entlaste und zu einer Stärkung der Sehnenplatte zwischen Vor- und Rückfuß führe. „Daneben gibt es noch weitere günstige Effekte“, betont der Mediziner, „etwa die Stimulierung der Fußreflexzonen, die sich günstig auf den gesamten Organismus, vor allem den Blutdruck, auswirkt.“ Dr. Jung weist jedoch darauf hin, dass durch deformierte Knochen bedingte Fehlstellungen nicht durch Barfußlaufen verschwänden: „Da ist es in der Regel sinnvoller, mit den richtigen Einlagen als barfuß zu laufen.“

In vielen Fällen entstehen Probleme des Fußapparates durch nicht adäquates Schuhwerk. Weitverbreitet ist beispielsweise der Hallux valgus, ein Zehenschiefstand, der oft die Folge zu enger High Heels ist. Aber Verformungen können sich auch weniger sichtbar einstellen und dennoch langfristige negative Auswirkungen haben. Gefährdet sind etwa auch Kinder, deren Füße häufig schneller wachsen, als die Eltern Schuhe nachkaufen (können), so dass die Füße gestaucht werden. Für diese Gruppe sei das gelegentliche Barfußlaufen besonders zu empfehlen, so Dr. Jung. Es gebe allerdings auch Risikogruppen, denen vom Barfußlaufen eher abgeraten werden müsse, Diabetiker etwa, deren Schmerzempfinden oft gestört ist.



Grundsätzlich aber plädiert Dr. Jung dafür, den Füßen hin und wieder mal einen wohltuenden, anregenden Gang ganz ohne Bekleidung zu gönnen: „Barfußlaufen ist etwas für jeden gesundheitsbewussten und sinnesneugierigen Menschen!“