Unfallchirurgen raten: Rad fahren nur mit Helm!

Bei Kindern ist der Fahrradhelm mittlerweile etabliert, doch viele Erwachsene verzichten noch immer darauf. Dabei kann die kleine Maßnahme im Ernstfall große Schutzwirkung entfalten.


Über 66.000 Leicht- und circa 15.000 Schwerverletzte, 392 Tote: So lautet nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die traurige Bilanz das Radfahrer-Jahres 2016 in Deutschland. Das Gros der Unfälle ereignet sich stets in der Radfahrsaison von April bis September. Aus anderen Quellen geht hervor, dass schwere Schädel-Hirn-Traumata für die meisten lebensgefährlichen Verletzungen sorgen.

Grund genug also, einen Helm aufzusetzen, bevor man sich auf den Sattel schwingt. „Untersuchungen zufolge reduziert ein Fahrradhelm das Risiko tödlicher Verletzungen des Gehirns um bis zu 70 Prozent, indem er die beim Aufprall auf den Schädel wirkenden Kräfte abschwächt“, betont der Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Michael Jung vom Orthozentrum in Berlin-Kreuzberg, „daher sollte das Helmtragen nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen eine Selbstverständlichkeit sein.“

Dabei geht es nicht allein um die eigene Sicherheit. Da die Erwachsenen auch Vorbildwirkung haben, ist es nicht unwahrscheinlich, dass bei einem Verzicht auf den Helm auch die Kinder ihn weglassen, sobald sie der elterlichen Aufsicht entwachsen.

Nicht mal jeder zehnte Jugendliche trägt Helm

Dass das Gefahrenbewusstsein noch ausbaufähig ist, bestätigt nicht nur ein Blick auf deutsche Straßen bzw. Radwege, sondern auch eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST). Ihr zufolge waren 2015 in Deutschland mehr als drei Viertel der sechs- bis zehnjährigen Radler mit Helm unterwegs – „eine verglichen mit früheren Jahrzehnten sehr erfreuliche Quote“, wie Unfallexperte Dr. Jung kommentiert.

Bei den 17- bis 21-Jährigen jedoch hielten nur noch 7 Prozent das Sicherheitsaccessoire für geboten; mit 8 Prozent sah es bei den 22- bis 30-Jährigen kaum besser aus. Dass zwischen Alter und Vernunft – zumindest in manchen Belangen – eine leichte Korrelation besteht, legen die Werte für die höheren Altersgruppen nahe: Auf 14 Prozent Helmquote kamen die 31- bis 40-Jährigen, immerhin jeder fünfte 41- bis 60-Jährige trug 2015 beim Radfahren einen Helm. Ab dem Alter von 61 Jahren waren es 18 Prozent.

„Die BAST-Zahlen beweisen, dass den Eltern Sinn und Notwendigkeit von Fahrradhelmen bewusst sind, sonst wäre die Helmtragequote bei Kindern deutlich geringer. Diese Einsicht sollten sie auch auf sich selbst und ihre eigene Sicherheit beziehen – der Aufwand, einen Fahrradhelm zu tragen, ist äußerst gering, der potenzielle Nutzen dagegen riesig“, resümiert Unfallchirurg Dr. Jung.