Unfallchirurgen warnen: Vorsicht beim Böllern!

Schwere Verletzungen insbesondere der Hände häufen sich rund um Silvester. Der zu sorglose Umgang mit Feuerwerkskörpern hat oftmals langfristige Folgen.


In einer durchschnittlichen deutschen Großstadtklinik werden alljährlich zu Silvester gut 50 schwere Handverletzungen gezählt. Meist handelt es sich um Männer im Alter von 15 bis 30 oder 50 bis 60 Jahren, die beim Böllern eine „böse Überraschung“ erleiden.

Verantwortlich sind vor allem in den schwereren Fällen, in denen es zur gänzlichen Zerstörung der Hand kommen kann, irreguläre Feuerwerksprodukte. Das sind solche, die entweder in Do-it-yourself-Manier verändert bzw. zusammengemischt wurden, oder auf dem grauen Markt erworbene Erzeugnisse ohne Zulassung in Deutschland. Im Extremfall können solche unkalkulierbaren Explosionsmittel sogar Menschenleben kosten. Ganz oben in der Verletzungsstatistik stehen schwere Verbrennungen, abgetrennte Finger und Fingerglieder.

Im Einklang mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) rufen erfahrene Praktiker wie der in Berlin-Kreuzberg tätige Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Michael Jung daher zu einem besonders vorsichtigen und umsichtigen Umgang mit Feuerwerkskörpern auf. „Die moderne Chirurgie kann zwar viele Funktionen wiederherstellen. Nichtsdestotrotz tragen zahlreiche Verletzte langfristige Schädigungen davon und sind fortan in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Wer aufs Böllern nicht verzichten will, sollte deshalb nur geprüfte Produkte verwenden, nicht unter Alkoholeinfluss zündeln und stets größtmöglichen Abstand wahren. Kinder und Jugendliche sollten idealerweise gar keine Feuerwerkskörper in die Hände bekommen, denn sie neigen dazu, die damit verbundene Gefahr zu unterschätzen“, klärt Dr. Jung auf.

Auf CE- und BAM-Kennzeichnung achten
Bei einer Online-Bestellung sollte sichergestellt werden, dass einwandfreie, zugelassene Ware gekauft wird. Leider gibt es zahlreiche Bezugsquellen, deren Produkte nur scheinbar geprüft und legal sind. Einen Anhaltspunkt geben Prüfkennzeichen wie CE oder eine BAM-(Bundesamt für Materialprüfung)-Prüfnummer. Da solche Sicherheitssiegel ohne Weiteres gefälscht werden können, spielt die Seriosität und Vertrauenswürdigkeit des Anbieters eine zentrale Rolle.

Ein weiterer Tipp von Unfallchirurgen: „Blindgänger“, also nicht explodierte Böller, sollten weder liegen gelassen noch nachgezündet werden. Denn bei einem neuerlichen Zündversuch ist die Verletzungsgefahr besonders groß – und das gilt gerade bei Kindern und Jugendlichen, die nach Silvester gern mal die Blindgänger einsammeln.