Bei Eis und Schnee: Rad besser stehen lassen

Bewegung an der frischen Luft ist zwar auch bei eisigen Temperaturen gesund, solange minus 10 Grad nicht unterschritten werden. Angesichts anhaltender Winterverhältnisse und voller Notaufnahmen rät die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie jedoch davon ab, bei rutschigen Wegen aufs Fahrrad zu steigen.

Radfahren gehört zu den Fortbewegungsarten, die Mediziner und insbesondere Orthopäden prinzipiell aus vollstem Herzen empfehlen. „Das Radfahren ist ein sehr effektives, gelenkschonendes Ganzkörpertraining, mit dem das Herz-Kreislauf- und das Immunsystem gestärkt und verschiedene Muskelgruppen trainiert werden“, betont etwa der in Berlin-Kreuzberg praktizierende Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Michael Jung. „Davon profitiert unter anderem die Rumpfmuskulatur, womit die Wirbelsäule stabilisiert und Rückenschmerzen vorgebeugt wird. Last, not least hat das Radfahren wie jeder körperlich anstrengende Sport eine günstige mentale Wirkung.“

Das gilt grundsätzlich auch bei Minustemperaturen, die zahlreiche Menschen nicht davon abhalten, aufs Rad zu steigen. Unerwünschte Nebenwirkungen wie Atemwegsreizungen oder Erfrierungen drohen in der Regel erst unter minus 10 Grad Celsius. Dennoch gibt es in diesem kältesten Winter seit 2010 vielerorts häufig einen anderen Grund, das Rad stehen zu lassen: die vereisten oder verschneiten Wege.

DGOU warnt vor steigenden Unfallzahlen
Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hat kürzlich einen Aufruf zur bedachten Radnutzung bei winterlichen Verhältnissen veröffentlicht. Darin wird etwa der Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, TUM Klinikum Rechts der Isar, PD Dr. Michael Zyskowski zitiert: „Wir beobachten in unserer Klinik, dass sich Fahrradunfälle im Winter im Vergleich zu den Vorjahren häufen. Ein möglicher Grund ist, dass immer mehr Menschen das Fahrrad ganzjährig nutzen – vor allem für den Arbeitsweg. Diese gesellschaftliche Entwicklung ist grundsätzlich positiv, bringt im Winter aber neue Unfallrisiken mit sich.“

Erhöht ist nicht nur das Risiko, auf den glatten Wegen wegzurutschen. Überdies, so hebt DGOU-Generalsekretär Prof. Dr. Bernd Kladny hervor, trübe das Winterwetter auch die Sicht der Autofahrer, was die Gefährdung für Radfahrer weiter steigere: „So entsteht eine gefährliche Kombination aus schlechter Sicht und instabiler Fahrdynamik, die Fahrradfahrende gefährden kann.“

Sicherer ist es daher, zu Fuß zu gehen, was ebenfalls auf die Gesundheit einzahlt. Die auch dabei bestehende Sturzgefahr kann durch den sogenannten Pinguin-Gang minimiert werden, bei dem der Körperschwerpunkt nach vorn über das vordere Bein verlagert wird. Die kurzen Schritte erfolgen langsam und mit ganzer Sohle.