E-Scooter-Fahren ist sechsmal riskanter als Radfahren
Elektroroller sind inzwischen für mehr schwere Verletzungen pro Fahrt verantwortlich als jedes andere Verkehrsmittel auf deutschen Straßen. Eine Helmpflicht wie in Italien und Dänemark wird es einstweilen jedoch nicht geben.
Die Zeit der Unschuld ist definitiv vorbei. Galten E-Scooter vor einigen Jahren noch als hippes Fortbewegungsmittel der Zukunft, zeigen sich mittlerweile sehr deutlich die Schattenseiten des akkubetriebenen Gefährts. Dazu tragen nun auch Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bei, die im Auftrag des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ errechnet haben, wie riskant die einzelnen Fortbewegungsarten wirklich sind.
Das Ergebnis: Pro eine Million Fahrten verunglücken auf dem E-Scooter fast sechsmal so viele Menschen schwer oder tödlich wie auf dem Fahrrad – und mehr als zwölfmal so viele wie im Auto. Gemessen an der zurückgelegten Strecke ist das Bild ähnlich. Allein im vergangenen Jahr kamen laut Statistischem Bundesamt 33 Rollerfahrerinnen und -fahrer ums Leben, über 1.600 wurden schwer verletzt – ein Anstieg von fast einem Viertel gegenüber dem Vorjahr. Mehr als die Hälfte der Verunglückten war unter 25 Jahre alt.
„Weil der Schwerpunkt beim Roller höher liegt als beim Fahrrad und die Räder deutlich kleiner sind, verlieren Fahrer bei Hindernissen schnell die Kontrolle und stürzen häufig nach vorne über den Lenker“, erklärt Dr. Michael Jung, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin-Mitte. „In der Folge kommt es immer wieder zu schweren Kopfverletzungen.“
Nacht, Alkohol, keine Schutzausrüstung
Die DLR-Statistik offenbart, dass E-Scooter-Unfälle gehäuft nachts und an Wochenenden stattfinden, häufig unter Alkohol- oder Drogeneinfluss und vielfach mit anderen Verkehrsteilnehmern. Einen Helm tragen die wenigsten Fahrer, obwohl er bei E-Scootern nicht weniger sinnvoll – eher sinnvoller – ist als beim Radfahren. Andere Länder wie Dänemark, Kroatien und Italien haben das Tragen daher zur gesetzlichen Pflicht erhoben. In Deutschland ist dagegen keine solche Regelung geplant. Eine im Juni in Kraft getretene Reform schreibt immerhin Blinker und getrennte Bremsen für neu zugelassene Geräte vor; höhere Bußgelder für das Fahren auf Gehwegen oder zu zweit sollen ab März folgen.
Wer einen E-Scooter nutzt, sollte im eigenen Interesse zumindest einen Fahrradhelm tragen, auf Alkohol und Drogen vollständig verzichten und die Geschwindigkeit an die Straßenverhältnisse anpassen; Schlaglöcher und Bordsteinkanten sind auf dem Roller erheblich gefährlicher als auf dem Fahrrad.

