Hüftschmerzen bei Jüngeren: früh handeln, bevor der Knorpel leidet

Sie gelten als typisches Altersphänomen, doch Hüftschmerzen betreffen auch viele junge, sportlich aktive Menschen. Oft liegen strukturelle Ursachen zugrunde, die sich mit modernen Methoden angehen lassen, um dauerhaften Schädigungen vorzubeugen.

Leistenschmerzen beim Sport, ein Schnappen oder Blockieren beim Beugen der Hüfte, Beschwerden nach längerem Sitzen: Symptome wie diese werden von jüngeren Menschen oft als Folgen muskulärer Überlastung abgetan oder einfach ignoriert. Dabei können sie auf eine behandlungsbedürftige Fehlstellung des Hüftgelenks hinweisen, wie die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik in einer aktuellen Pressemitteilung warnt.

Eine der häufigsten Ursachen ist das femoroacetabuläre Impingement, kurz FAI. Dabei stoßen Hüftkopf und Hüftpfanne bei bestimmten Bewegungen ungünstig aneinander und reiben Knorpel und Gelenklippe (Labrum) nach und nach ab. Laut einer Metaanalyse von 2020 lassen sich bei rund 61 Prozent der jüngeren Patienten mit Hüftbeschwerden ohne fortgeschrittene Arthrose Hinweise auf ein FAI finden. Auch eine Hüftgelenksdysplasie, bei der der Hüftkopf nicht ausreichend von der Pfanne überdacht wird und die Belastung dadurch ungleichmäßig verteilt ist, kann die Symptome auslösen. Hochgerechnet auf Deutschland dürften mehr als 1,5 Millionen Erwachsene radiologische Zeichen einer solchen Dysplasie aufweisen.

Länger anhaltende Beschwerden sollten abgeklärt werden
Als Faustregel gilt: Wer länger als einige Wochen unter Leistenschmerzen, Einschränkungen beim Sport oder Beweglichkeitsproblemen der Hüfte leidet, sollte eine orthopädische Praxis aufsuchen – unabhängig vom Alter. „Je früher  Fehlstellungen der Hüfte erkannt werden, desto größer die Chance, Knorpelschäden zu begrenzen und die Notwendigkeit einer Hüftprothese um Jahrzehnte hinauszuzögern“, betont der in Berlin-Kreuzberg praktizierende Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Michael Jung.

Am Anfang steht dabei immer eine sorgfältige Diagnose: klinische Untersuchung, Bildgebung und – je nach Befund – ein Therapieversuch mit Physiotherapie und Belastungsanpassung. Nicht jeder auffällige Befund ist behandlungsbedürftig, und nicht jede Operation verhindert eine Arthrose. Kommt ein Eingriff infrage, stehen für das FAI arthroskopische Verfahren zur Verfügung, mit denen knöcherne Engstellen korrigiert und Labrumschäden behoben werden können. Bei einer Dysplasie kann eine sogenannte periazetabuläre Osteotomie sinnvoll sein, bei der die Hüftpfanne operativ so ausgerichtet wird, dass der Hüftkopf wieder besser überdacht ist. Laut aktuellen Studiendaten können solche Eingriffe die Lebensdauer des Gelenks in geeigneten Fällen um 20 bis 30 Jahre verlängern.