Knie- oder Hüftprothese: Was ist sportlich noch drin?
Viele Patienten gehen nach einem künstlichen Gelenkersatz davon aus, Sport sei dauerhaft tabu. Eine aktuelle Literaturübersicht zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild: Sportliche Aktivität ist mit einer Hüft- oder Knieprothese nicht nur möglich, sondern fördert Funktion, Muskelkraft und Lebensqualität – wenn Überbelastungen und Stöße vermieden werden.
Die Zahl der Gelenkersatzoperationen in Deutschland steigt seit Jahren, während das Durchschnittsalter der Patienten sinkt. Immer mehr Menschen lassen sich bereits im mittleren Lebensalter eine Hüft- oder Knieprothese einsetzen, oft weil der Leidensdruck durch Arthrose zu groß geworden ist. Unabhängig vom Alter stellt sich bei einem solchen Eingriff die Frage: Kann ich danach noch Sport treiben?
„Der künstliche Gelenkersatz hat das Ziel, Schmerzen zu beseitigen, die Beweglichkeit wiederherzustellen und die Lebensqualität dauerhaft zu verbessern. Wer das Ergebnis dann durch Bewegung und sportliche Aktivität erhält, tut genau das Richtige – vorausgesetzt, er findet die für seine Situation passende Art der Belastung“, erklärt Dr. Michael Jung, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Orthozentrum Berlin in Berlin-Mitte.
Entscheidend für die Antwort auf die Sportfrage ist zunächst, wie stark ein Gelenk beim Training beansprucht wird. Sportarten mit gleichmäßigen, stoßarmen Bewegungsabläufen – Schwimmen, Radfahren, Wandern, Nordic Walking oder Golf – gelten heute bei den meisten Fachgesellschaften als unbedenklich und werden für Prothesenträger empfohlen. Sie kräftigen die umliegende Muskulatur und verbessern Koordination und Ausdauer, ohne das Implantat übermäßig zu belasten. Yoga, Tanzen oder moderate Gymnastikkurse können je nach individueller Situation ebenfalls sinnvoll sein.
Wo die Grenzen liegen
Deutlich vorsichtiger zu betrachten sind stoßintensive Disziplinen wie Laufen, Fußball, Basketball oder Kampfsport. Nicht wegen einer pauschalen Kontraindikation, sondern weil hohe Spitzenkräfte über viele Jahre die Abnutzung der Implantatoberflächen beschleunigen können und das Risiko für Stürze und Knochenbrüche im Bereich der Prothese steigt.
Wann nach dem Eingriff mit Sport begonnen werden kann, richtet sich nach dem Heilungsverlauf. Für schonende Aktivitäten gilt in der Regel ein Zeitfenster von drei bis sechs Monaten nach der Operation; anspruchsvollere Belastungen erfordern oft mehr Zeit, um muskuläre Stabilität und Koordination ausreichend aufzubauen. Wer vor der Operation aktiv war, kehrt nach aller Erfahrung schneller und verlässlicher zum Sport zurück.
Eine pauschale Antwort auf die Frage, was erlaubt ist, gibt es trotzdem nicht – sie hängt von Implantattyp, Operationsweg, Knochenqualität und den persönlichen Zielen ab und sollte deshalb mit dem behandelnden Orthopäden erörtert werden.

