Künstliches Knie- oder Hüftgelenk trotz Nickelallergie?

Eine bekannte Kontaktallergie auf der Haut bedeutet nicht zwangsläufig, dass auch Implantate im sie umgebenden Gewebe Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen. Die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik empfiehlt ein gestuftes Vorgehen zur Diagnostik, bevor hypoallergene Implantatalternativen zum Einsatz kommen.

Schätzungsweise 10 bis 20 Prozent der Bundesbürger sind von einer Nickelallergie betroffen, Frauen rund fünfmal so häufig wie Männer. Der Geschlechterunterschied liegt mutmaßlich darin begründet, dass Frauen wesentlich öfter nickelhaltigen Schmuck auf der Haut tragen, wodurch das Allergierisiko steigt. Auch unter einer Chromallergie leiden mehrere Hunderttausend Menschen in Deutschland.

Sobald diese Allergiker eine Hüft- oder Knieprothese benötigen, stellt sich die Frage nach deren Verträglichkeit – denn standardmäßig enthalten die verwendeten Legierungen sowohl Nickel als auch Chrom. Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik weist jedoch darauf hin, dass eine Kontaktallergie auf der Haut kein zuverlässiger Hinweis auf eine Implantatunverträglichkeit ist. „Eine positive Reaktion auf Modeschmuck oder ein auffälliger Epikutantest bedeuten zunächst nur, dass eine Sensibilisierung der Haut vorliegt“, hebt AE-Generalsekretär Prof. Dr. Georgi Wassilew in einer aktuellen Pressemitteilung des Fachverbands hervor. „Ob der Körper später auf ein Implantat reagiert, lässt sich jedoch nicht vorhersagen – das zeigt sich erst, wenn das Material tatsächlich im Körper ist.“

Nicht von vornherein auf Alternativen fokussieren
Aus diesem Grund empfiehlt die AE, bei einer nachgewiesenen Kontaktreaktion vor der Implantation eines Gelenkersatzes einen Allergietest vorzunehmen. Falle der positiv aus, müsse das aber nicht automatisch darauf hinauslaufen, dass nickel- bzw. chromhaltige Implantate ausgeschlossen werden.

Zwar stehen Alternativen auf Keramik- oder Titanbasis oder auch mit umkapselnden Beschichtungen zur Verfügung, doch diese sind laut Wassilew „keineswegs automatisch die bessere Wahl“. Denn zum einen haben die meisten Operateure weniger Erfahrung mit diesen Implantattypen, zum anderen fehlen bislang belastbare Langzeitdaten zur Haltbarkeit. Eine generelle Empfehlung für Allergiker mit Bedarf an einem Hüft- oder Kniegelenkersatz gibt die AE in der Folge nicht – die Entscheidung müsse in jedem Einzelfall von Patienten und Behandlern gemeinsam getroffen werden.