Wenn böllern, dann auf sichere Weise!

Beim Silvesterfeuerwerk ließ sich zuletzt ein unseliger Trend hin zu paramilitärisch anmutenden Sprengkörpern – und in der Folge gravierenderen Verletzungen – erkennen. Unfallchirurgische Fachverbände raten dringend zu Vorsicht.

„Schon mit einfachen Sicherheitsmaßnahmen lassen sich Unfälle beim Böllern vermeiden – zuvörderst durch Nüchternheit und Besonnenheit beim Hantieren mit Feuerwerkskörpern“, mahnt der Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Michael Jung, der in Berlin-Kreuzberg praktiziert. Alkohol und andere Rauschmittel tragen mit ihrer enthemmenden Wirkung wesentlich dazu bei, dass die Notaufnahmen zu Silvester vielerorts gefüllt sind. Am häufigsten sind naturgemäß die Hände betroffen, an denen es zu Verbrennungen oder zerstörten Knochen oder Sehnen kommt, im Extremfall auch zum Verlust einer ganzen Hand.

Neben der anhaltend hohen Zahl an Böllerverletzungen lässt sich eine qualitative Veränderung beobachten: Es werden immer schwerere Geschütze aufgefahren, illegale Feuerwerkskörper, die eher an kleine Bomben erinnern als an „Knaller“. Die Konsequenz sind zunehmend gravierendere Verletzungen. „Wir erleben in den Notaufnahmen Verletzungsmuster, die weit über das Übliche hinausgehen“, berichtet etwa Prof. Dr. Ulrich Stöckle, Geschäftsführender Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Zum Böllern nur geprüfte Produkte verwenden
Die Fachverbände Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie fordern in einer aktuellen Pressemitteilung zum einen Politik und Behörden auf, mehr gegen die Verbreitung illegaler, bombenähnlicher Sprengkörper zu unternehmen. Zum anderen appellieren sie an die Bürger, sich umsichtig und vernünftig zu verhalten. Dazu gehört nicht nur der bereits genannte Verzicht auf Böllern im Rauschzustand.

Dringend empfehlenswert ist es zudem, nur von seriösen Händlern bezogene Produkte mit CE-Zeichen und BAM-Prüfnummer gemäß Gebrauchsanweisung zu verwenden – und zwar nur solche, die nicht in der Hand gezündet werden. Von Do-it-yourself-Böllern oder Manipulationen an gekaufter Ware sollte man Abstand nehmen, wenn man auf körperliche Unversehrtheit Wert legt. Bei Lagerung und Beförderung empfiehlt sich eine durchgängige Sicherheitsdistanz. Kommt es zu „Rohrkrepierern“, sollte man von erneuten Zündversuchen absehen. Last, not least versteht es sich, dass Kinder und Jugendliche von Feuerwerkskörpern ferngehalten werden sollten.