Lindern, entlasten, erst dann operieren: Leitlinie für Hallux-valgus-Behandlung aktualisiert

Weit mehr als eine Million Patienten nehmen in Deutschland jährlich wegen einer sogenannten Ballenzehe ärztliche Hilfe in Anspruch. Wie bei der Therapie verfahren werden sollte, schildert eine von verschiedenen Fachgesellschaften erstellte S2-Leitlinie, die nun ein Update erhalten hat.

Hartnäckig hält sich der Mythos, der Hauptgrund für die Fehlstellung Hallux valgus sei ungeeignetes Schuhwerk. Dieses kann zwar die Problematik verschärfen, ursächlich ist jedoch meist eine erbliche Veranlagung. Sie führt dazu, dass der große Zeh nach außen und der erste Mittelfußknochen nach innen strebt – an der Innenseite bildet sich der Ballen, der dem Krankheitsbild seinen deutschen Namen gibt.

„Eine Ballenzehe ist für die Betroffenen, überwiegend Frauen in der zweiten Lebenshälfte, sehr schmerzhaft und führt nicht selten zu Entzündungen, Druckstellen und Beeinträchtigungen beim Gehen“, erläutert der in Berlin-Kreuzberg praktizierende Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Michael Jung. „Glücklicherweise ist Hallux valgus aber heutzutage in aller Regel gut und effektiv behandelbar.“

Wie dabei auf Grundlage der aktuellen Forschungslage vorgegangen werden sollte, fasst eine S2-Leitlinie zusammen, deren neueste Fassung kürzlich erschienen ist. Federführend war die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), die von sieben weiteren Fachgesellschaften unterstützt wurde. Die Relevanz des Themas kommt in der Versorgungsstatistik zum Ausdruck: 1,3 Millionen Patienten lassen sich in Deutschland pro Jahr wegen eines Hallux valgus ärztlich behandeln – fast 2 Prozent der erwachsenen Bevölkerung.

Wann bei Hallux valgus operiert werden sollte
Neu strukturiert wurden die Schweregradkategorien, deren Zahl auf nur noch zwei („leicht bis moderat“ und „schwer“) reduziert wurde. Tenor der Leitlinie bleibt: Zuerst sollten mit konservativen Maßnahmen die Beschwerden gelindert, der Fuß entlastet und die Beweglichkeit gesteigert werden, begleitet von einer tiefgehenden ärztlichen Aufklärung. Eine Operation sollte erst dann in Erwägung gezogen werden, wenn trotz dieser Maßnahmen auch nach Monaten noch starke Schmerzen die Lebensqualität einschränken und es wiederholt zu Entzündungen kommt.

Die Erfolgsaussichten einer operativen Korrektur, so wurde für die Leitlinie erhoben, sind ausgezeichnet. „In einer der wissenschaftlichen Arbeiten konnte die Arbeitsgruppe zeigen, dass alle gängigen Operationsverfahren die Fehlstellung deutlich verbessern“, führt die beteiligte Koordinatorin Prof. Dr. Sarah Ettinger aus. „Auch die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten steigt nach der Operation im Durchschnitt klar an, unabhängig von der Operationstechnik.“